Philipp Höning

„Es hat heute ein wenig gepiept. Nach Monaten des Aufenthalts ist das die erste wahrnehmbare Bewegung hier. Es kann also doch keine Ölplattform sein…“

„Der Komplex atmet. Aber er atmet immer nur aus. Lüftungen stecken überall in der Decke, in den Wänden, manchmal im Boden. In verschiedenartigen Designs. Manche sehen aus wie Feuermelder. Manche wie Gullydeckel. Quer gerastert, kreuzweise, als Schattenfugen. Oder einfach nur Löcher in den Wänden. Man kann ein paar Zentimeter hineingucken. Dann macht das Rohr eine Biegung. Es sind die Endstücke eines Lüftungssystems, das im Gebläsekeller beginnt. Eine große dreiteilige, grüngefliese Halle mit hohen Decken in der mattgrün lackierte Turbinen stehen. Diese Maschinenfarbe. Ohrenbetäubender Lärm. Sie springen mit einem Heulen an, das an Urzeitwesen erinnert. Gigantische Massen werden in Bewegung versetzt. Filigran gefräste Kurbelwellen und mit unzähligen Propellern bewehrte Achsen. Pleuelstangen, die unter Torsionskräften ächzen. Die heiße Luft wird umgewälzt wie ein Nudelteig…“

„Irgendetwas ist da unten. Ich war einmal dort und hab an jeder Ecke einen tiefen, tiefverwurzelten Todeswunsch verspürt…“

„Nichts kann man nicht verpassen. Der ganze Ort ist voller digitaler Hintergrundprozesse, deren Ausdehnung nicht immer ganz erfassbar ist. Um mich zu beruhigen werde ich alle Dämons aufschreiben, die es an die Oberfläche dieser Infrastruktur schaffen…“

„Angst hört abrupt auf. Finde mich zwischen den Servertürmen auf Ebene vier wieder. Eine menschliche Gestalt schreit ohrenbetäubend laut ohne Luft zu holen mit einem unglaublich flachen Quadrat an der Stelle, an der der Kopf sein sollte…“
aus: Skullsplitter Bochum Version
Audio-Beitrag zur Transformativen Ausstellung II