Zustand II

TRANSFORMATIVE AUSSTELLUNG
mit Arbeiten von: Matthias Beckmann, Martin Brand, Frederik Foert, Patricija Gilyte, Christian Hasucha, Philipp Höning, Jonas Hohnke, Hans Schabus, Martin Bruno Schmid, Georg Winter
Nicht nur die Ausstellung selber ist einem ständigen Wandel unterzogen. Sondern auch das Gebäude als Ganzes wird transformiert. Seine Wände sollen mit neuen Bedeutungen getränkt werden. Es werden keine autonomen Werke in neutralen Räumen gezeigt. Sondern die Kunstwerke gehen eine Verbindung mit dem Ort ein, so dass sich SCHWANENMARKT 1 auch insgesamt in eine begehbare Installation verwandelt. Das Gebäude ist zwar in einem ruinösen Zustand. Aber das macht es gerade auch spannend. Überall Relikte und Spuren seines ehemaligen Gebrauchs.
Foto: Heinrich
Rätselhafte Einblicke durch das Kioskfenster. Jede Stunde bläst sich 15 Minuten lang eine Form auf und fällt dann wieder in sich zusammen. Die „atmende“ Skulptur ist eine Arbeit von Frederik Foert, ein goldener Löwe auf einem roten Sockel. Weil er bei aufrechter Stellung die Raumhöhe übersteigt, hat er sich auf den Rücken gerollt…
Foto: Heinrich
Foto: Sadrowski
Foto: Sadrowski
Ein Dübel aus echtem Gold von Martin Bruno Schmid. Er bereicherte die Ausstellung enorm, obwohl bzw. gerade weil er seine Wirkung im Geheimen entfaltete. Denn da das Gebäude nicht einbruchssicher ist, konnten auf seine Existenz zunächst nur ausgewählte Besucher hingewiesen werden. Erst nach seiner Extraktion aus der Wand wird die Sache jetzt öffentlich gemacht. Diese Arbeit ist im besonderem Maße geeignet, der Idee der Transformativen Ausstellung Gestalt zu verleihen: „…das Gebäude als Ganzes wird transformiert. Seine Wände sollen mit neuen Bedeutungen getränkt werden.“ In diesem Sinne korrespondiert er auch perfekt mit Jonas Hohnkes Nagel-Arbeit.
Foto: Sadrowski
Foto: Sadrowski
Jonas Hohnke hat einen Nagel in die Wand geschlagen. Wer den Kopfhöher aufsetzt, hört ein Hämmern. Es ist der Orginalsound, der entstand, als GENAU DIESER Nagel in die Wand geschlagen wurde!
Foto: Sadrowski
Eigens für die Ausstellung kombinierte Martin Brand drei seiner Arbeiten – „Shark“ (2020), „Posing for Pictures“ (2017) und „I’m fine“ (2016) – zu einer raumbezogenen dreiteiligen Installation in der ehemaligen Herren-Toilette. Mit Beamer-Projektion auf die gekachelte Wand und zwei digitalen Bilderrahmen.
Foto: Schamp
Über das Spiel der Wellen legt sich wie ein Netz das Fugenraster der Wandfliesen. Auf dem Video-Loop ist zu sehen, wie ein Hai um ein Boot kreist.
Foto: Mauermann
Dazu eine Sammlung von Fotos aus dem Internet, auf denen junge Männer mit Waffen posieren und dabei auf den Betrachter zielen. Die martialischen Männlichkeitsrituale verschmelzen mit der Aura des Raums: ein ehemaliges Männerklo mit seinen Pissoirs. Die Installation erzeugt eine diffuse Stimmung der Bedrohung, die auch durch das „I’M FINE“ auf dem zweiten digitalen Bilderrahmen nicht gemildert wird. Denn dieses „Sich-Gut-Fühlen“ basiert auf einer Sebstverletzung.
Foto: Mauermann

„Nichts kann man nicht verpassen. Der ganze Ort ist voller digitaler Hintergrundprozesse, deren Ausdehnung nicht immer ganz erfassbar ist. Um mich zu beruhigen werde ich alle Dämons aufschreiben, die es an die Oberfläche dieser Infrastruktur schaffen…“

„Angst hört abrupt auf. Finde mich zwischen den Servertürmen auf Ebene vier wieder. Eine menschliche Gestalt schreit ohrenbetäubend laut ohne Luft zu holen mit einem unglaublich flachen Quadrat an der Stelle, an der der Kopf sein sollte…“


aus: Skullsplitter Bochum Version. Audio-Beitrag von Philipp Höning
Foto: Sadrowski
Foto: Sadrowski
Matthias Beckmann war da und hat den Schwanenmarkt gezeichnet.
Foto: Mauermann
Patricija Gilytes Videoarbeit Demesis 360. Eine Art Hausgeist der Transformativen Ausstellung, der knatternd seine Präsenz bewahrt. Man kann sich diese Erscheinung, die sonderbar in der Schwebe ist zwischen sich ständig verändernder plastischer Form und Wesenheit, auch hier ansehen, was unbedingt lohnenswert ist!
Foto: Sadrowski
Ein rätselhafter Fliegenmensch krabbelt über die Wand. In einem seiner Flügel eingelassen: ein NFC-Chip. Was es damit auf sich hat? Man kann es herausfinden…
Foto: Mauermann
In der Soundkabine konnte man sich hinsetzen und der Arbeit von Philipp Höning lauschen.